Microsoft muss gesperrte Xbox-Bibliothek zurückgeben
Stell dir vor, du verlierst jedes Spiel, das du je gekauft hast, und der Support sagt dir: kauf sie halt noch mal. Genau das ist einem Xbox-Spieler aus Brasilien passiert. Statt es hinzunehmen, hat er Microsoft verklagt. Und gewonnen.
Der Spieler, auf Reddit als Ordo_Liberal unterwegs, verlor sein Microsoft-Konto, nachdem die Firma dort einen unbefugten Zugriff erkannt haben wollte. Dauerhaft gesperrt. Die Zwei-Faktor-Anmeldung war aktiv, geholfen hat sie nichts. Die Auskunft vom Support: das Konto sei kompromittiert, es komme nicht zurück, und wer seine Bibliothek wiederhaben wolle, könne sie neu kaufen. Jahre an Käufen futsch, es sei denn, er zahlt doppelt.
Was das Gericht angeordnet hat
Geklagt hat er vor einem brasilianischen Gericht für Bagatellsachen, und das ist der springende Punkt. Das brasilianische Verbraucherschutzgesetz erlaubt solche Verfahren ohne Anwalt und ohne Gerichtskosten. Sein Risiko lag also bei ungefähr null. Das von Microsoft nicht: der Konzern soll zwölf Anwälte aufgefahren haben.
Genutzt hat es nichts. Microsoft muss das Konto samt allen hinterlegten Spielen binnen 15 Tagen freischalten, sonst erhöht sich die Summe um zehn Prozent Strafe. Dazu kommen 2000 Real Schmerzensgeld, umgerechnet rund 350 Euro. Reich wird davon niemand. Darum ging es auch nie.
Der Teil, der dich nervös machen sollte
Lass die Gerichtsgeschichte weg, dann bleibt eine unschöne Wahrheit: deine komplette Bibliothek hängt an einem einzigen Konto, und dieses Konto kann durch eine Support-Entscheidung abgeschaltet werden, gegen die du praktisch nicht ankommst. Du machst alles richtig, Zwei-Faktor inklusive? Glückwunsch, du bist trotzdem nur eine automatische Warnmeldung von der verschlossenen Tür entfernt.
Gut ausgegangen ist die Sache nicht, weil Microsoft eingelenkt hätte. Sie ist gut ausgegangen, weil es brasilianisches Verbraucherrecht gibt. Wer in einem Land ohne dieses Netz dieselbe Antwort bekommt, verliert seine Spiele einfach. Darüber lohnt es sich nachzudenken.
Jetzt panisch auf Disc umsteigen? Auch keine Lösung, Datenträger werden ohnehin seltener. Aber ein guter Anlass, das Konto abzusichern, die Wiederherstellungsdaten aktuell zu halten und sich klarzumachen, dass "kaufen" im digitalen Store schon immer eher eine sehr lange Leihgabe war als echtes Eigentum.
Würdest du dafür vor Gericht ziehen oder still und leise alles neu kaufen? Ab damit in die Kommentare.