Tails Noir ist ein erzählungsstarkes RPG in einer dystopischen Version Vancouvers, die von anthropomorphen Tieren bevölkert wird. Spieler übernehmen die Rolle von Howard Lotor, einem Waschbären und Privatermittler, der sich in einer düsteren Welt voller persönlicher Veränderungen und moralischer Grauzonen bewegt. Im Mittelpunkt steht das Storytelling durch ausführliche Dialoge und die Erkundung der Umgebung, während Kämpfe oder komplexe Systeme fehlen.
Gameplay
Im Zentrum steht die Kombination aus Ermittlungsarbeit und Charakterbegegnungen. Howard bewegt sich durch seitlich scrollende Umgebungen, die bekannte Viertel Vancouvers wie Gastown und Granville in einer tierischen Neuinterpretation zeigen. Bei der Erkundung lassen sich Hinweise und versteckte Details entdecken, die für den Fall relevant sind. Die Dialoge bilden das Herzstück des Fortschritts und orientieren sich an klassischen CRPGs: Mit verzweigten Antwortoptionen lässt sich Howards Haltung und Persönlichkeit mitgestalten. Die Wahl der Worte beeinflusst die Reaktionen anderer Charaktere im Moment, während der Handlungsverlauf insgesamt linear bleibt.
Leichte Plattformelemente und gelegentliche Schleichpassagen sorgen für Abwechslung und Spannung. Rätsel erscheinen als einfache Objektinteraktionen oder kleine Minispiele im Rahmen von Ermittlungen. Optisch verbindet das Spiel hochauflösende Pixelgrafik mit dynamischer Beleuchtung, Regeneffekten, volumetrischem Nebel und Neonlichtern zu einer stimmungsvollen Stadtkulisse. Ein eigens komponierter Soundtrack, der Doom Jazz mit elektronischen Klängen mischt, unterlegt zentrale Szenen und Erkundungsphasen.
Spielmodi
Tails Noir ist ein reines Einzelspieler-Erlebnis ohne Multiplayer-Elemente oder zusätzliche Modi. Die gesamte Geschichte läuft als durchgehende Kampagne ab, die sich auf Howards Fall und seine persönliche Entwicklung konzentriert. Spieler durchlaufen eine feste Kapitelabfolge und entscheiden im Rahmen der linearen Struktur selbst, wie schnell sie Dialoge und Erkundung vorantreiben. Wettbewerbs- oder Koop-Varianten gibt es nicht.
Handlung und Atmosphäre
Die Geschichte beginnt mit einer scheinbar alltäglichen Ermittlung, die sich schnell zu etwas Persönlichem und Unheimlichem entwickelt. Themen wie Wandel, Verlust und existenzielle Fragen ziehen sich durch das Spiel und greifen Motive aus dem Film Noir, Weird Science Fiction und philosophischen Überlegungen auf. Eine vielseitige Besetzung tierischer Charaktere ermöglicht tiefere Begegnungen, deren Gespräche Einblicke in die dystopische Gesellschaft geben. Die Welt verbindet post-sowjetische Ästhetik mit aktuellen politischen Anspielungen und wirkt dadurch zugleich fremd und vertraut. Bild und Ton verstärken gemeinsam den Post-Noir-Eindruck und betonen den Kontrast zwischen verfallenden Vierteln und Inseln des Widerstands.
Lohnt sich das Spiel?
Tails Noir richtet sich an Spieler, die storygetriebene Abenteuer mit starkem Schreibstil und atmosphärischer Inszenierung schätzen. Der Fokus auf Dialog und Erkundung erzeugt ein kinematisches Gefühl, das Aufmerksamkeit für Charaktere und Umgebungsdetails belohnt. Die PS5-Version bietet dasselbe Kern-Erlebnis wie andere Plattformen und läuft dank des Pixel-Art-Stils stabil. Kritiken loben vor allem das Drehbuch, die Art Direction und den Soundtrack, während einige die kurze Spielzeit und den begrenzten Einfluss der Entscheidungen auf das Ende anmerken. Wer eine nachdenkliche, allein erlebte Geschichte über Identität und eine fehlerhafte Welt sucht, wird hier fündig. Die Verfügbarkeit auf PS5 macht das Spiel auch für Konsolenspieler zugänglich, die diese Art von RPG-Abenteuer mögen.