80 Days ist ein Indie-Strategie-Adventure, in dem man die Rolle von Passepartout übernimmt, dem treuen Diener von Phileas Fogg. In einer alternativen Version des Jahres 1872, in der Steampunk-Erfindungen den Alltag prägen, gilt es, Fogg innerhalb von achtzig Tagen um die Welt zu begleiten. Dabei verbindet das Spiel Routenplanung, Ressourcenmanagement und verzweigte Erzählstränge auf einer detaillierten 3D-Weltkarte mit 170 Städten.
Gameplay
Im Mittelpunkt steht die Auswahl von Reiserouten zwischen Städten, während drei Ressourcen im Blick bleiben müssen: die verbleibende Zeit auf der ständig laufenden Uhr, das verfügbare Geld und Foggs Gesundheitszustand. Jede Verbindung zeigt Dauer und Kosten an, und man entscheidet, ob man sie annimmt oder durch Gespräche nach Alternativen sucht. An jedem Zielort kann man sich ausruhen, Handels- oder Gebrauchsgegenstände erwerben und Informationen sammeln, die neue oder schnellere Verbindungen freischalten.
Das Gepäckmanagement bringt eine weitere Ebene ins Spiel: Gesammelte Waren lassen sich später gewinnbringend verkaufen, doch zu viel Gewicht verlangsamt die Reise. Ausrüstung, die auf bevorstehende Bedingungen abgestimmt ist, schützt Foggs Wohlbefinden unter schwierigen Umständen. Entscheidungen unterwegs und in den Städten beeinflussen den Beziehungsstand zu Fogg, der wiederum bestimmt, wie bereitwillig er Vorschlägen folgt und welchen Ton die Reise annimmt. Die Handlung entwickelt sich über interaktive Textpassagen, in denen jede Wahl den Zeitplan beschleunigen oder durch Ereignisse wie technische Pannen und lokale Konflikte verzögern kann.
Spielmodi
Das Spiel besteht aus einer einzigen durchgehenden Weltreise ohne separate Modi. Der Wiederspielwert ergibt sich aus dem flexiblen Routensystem und Tausenden von Erzählverzweigungen, die bei jedem Durchlauf andere Erlebnisse schaffen. Man kann verschiedene Transportkombinationen, Handelsstrategien und Reihenfolgen der Stadtbesuche ausprobieren, um neue Ausgänge und kürzere Gesamtzeiten zu finden. Die Struktur lädt zu mehreren Durchgängen ein, die entweder auf Optimierung oder auf erzählerische Vielfalt abzielen.
Welt und Handlung
Die Welt zeigt das späte 19. Jahrhundert neu interpretiert: Mechanische Kamele, U-Boote, Luftschiffe und Dampflokomotiven sind Teil des Alltagsverkehrs. Die Städte reichen von geschäftigen europäischen Zentren bis zu entlegenen Außenposten in der Zulu-Föderation oder am Amazonas, jede mit eigenen Beschreibungen und Ereignissen, die aus detaillierter Recherche und technofantastischen Elementen entstehen. Die Erzählstränge greifen Themen wie Entdeckung, Erfindung und gesellschaftliche Spannungen auf und werden durch persönlich wirkende Charakterbegegnungen vermittelt. Die 3D-Globusansicht ermöglicht die visuelle Planung der Route, während der Text die Handlung trägt und so strategische Übersicht mit konkreten Entscheidungen verbindet.
Lohnt sich das Spiel?
80 Days spricht Spieler an, die interaktive Fiction mit leichten Strategieelementen rund um Zeit- und Ressourcenmanagement mögen. Die Stärke liegt in der durchgehend hohen Schreibqualität und den spürbaren Folgen von Routenentscheidungen, die sorgfältige Planung und Experimentierfreude belohnen. Das Spiel ist weiterhin für den PC erhältlich und spricht alle an, die eine in sich geschlossene Adventure-Erfahrung suchen, die pro Durchlauf nur wenige Stunden dauert, aber durch die Verzweigungen hohen Wiederspielwert bietet. Wer schnelle Action oder klassische Multiplayer-Systeme bevorzugt, könnte das ruhige Tempo weniger ansprechend finden, während Fans narrativer Adventures die einprägsamen Charaktere und die originelle Welt als Gründe für weitere Reisen nennen.