Across the Grooves ist ein interaktiver Indie-Graphic-Novel, den Nova-box für den PC entwickelt hat. Die Spielerin begleitet Alice, deren Alltag in Bordeaux ins Wanken gerät, als eine alte Schallplatte von ihrem früheren Partner Ulysse eintrifft. Legt sie die Nadel auf die Platte, kehrt sie in ihre eigene Vergangenheit zurück - und jedes Mal, wenn sie in die Gegenwart zurückkehrt, hat sich ihre Situation durch frühere Entscheidungen verändert.
Gameplay
Im Mittelpunkt steht ein erzählerischer Entscheidungsmechanismus, der Alices Persönlichkeitsmerkmale formt und neue Handlungsstränge freischaltet. Die Wahlmöglichkeiten reichen von der Art, wie sie Bekannten begegnet, bis hin zu den Routen, die sie auf ihren Reisen durch europäische Städte einschlägt. Diese Entscheidungen summieren sich und beeinflussen spätere Szenen, verändern Dialoge, Begegnungen und den Gesamtverlauf, ohne komplexes Ressourcenmanagement oder zeitkritische Eingaben zu verlangen.
Die Handlung entfaltet sich in aufeinanderfolgenden Szenen im Stil europäischer Comics, illustriert durch hunderte handgezeichnete Bilder. Statt freier Bewegung oder Rätseln liegt der Fokus auf Lesen und Auswählen. Der Soundtrack passt sich dynamisch der jeweiligen Stimmung und dem eingeschlagenen Weg an, indem er Instrumentation und Klangfarbe subtil verändert und so Alices innere Entwicklung widerspiegelt.
Der Wiederspielwert ergibt sich aus der Verzweigung der Geschichte. Unterschiedliche Entscheidungskombinationen führen zu abweichenden Ereignisfolgen und Enden, was zum Ausprobieren alternativer Entwicklungen einlädt. Jeder Durchlauf bietet eine romanlange Erzählung, in der sowohl große Handlungswendungen als auch kleine persönliche Details variieren.
Spielmodi
Across the Grooves ist ein reines Einzelspieler-Erlebnis, das ausschließlich auf der entscheidungsbasierten Geschichte basiert. Es gibt keine separaten Wettbewerbs-, Koop- oder Herausforderungsmodi. Sämtlicher Inhalt spielt sich innerhalb der Haupthandlung ab, deren Verlauf durch die Spielauswahl bestimmt wird und zu einem von mehreren möglichen Enden führt.
Das Design ist auf mehrere vollständige Durchläufe ausgelegt, um das gesamte Spektrum der Möglichkeiten zu erleben. Jeder Lauf bleibt eigenständig, Fortschritte werden nicht übernommen, sodass jeder neue Versuch mit frischen Entscheidungen beginnt.
Handlung und Setting
Die Geschichte verbindet Alltagsrealismus mit Elementen des magischen Realismus, die sich um die geheimnisvolle Schallplatte ranken. Alice beginnt mit einem stabilen, aber unauffälligen Alltag, der durch Ulysse' Rückkehr ins Schwanken gerät. Ihre anschließenden Reisen durch Europa dienen zugleich als wörtliche Suche und als sinnbildliche Auseinandersetzung mit Reue, Identität und alternativen Lebenswegen.
Begegnungen mit Nebenfiguren in verschiedenen Städten liefern Kontext und Kontrast zu Alices Situation. Die Interaktionen mit diesen Personen verändern sich je nach vorherigen Entscheidungen und unterstreichen das Prinzip, dass kleine Verhaltensänderungen spürbare Auswirkungen haben. Der europäische Comic-Stil verankert die Schauplätze in erkennbaren Details, während die Zeitmanipulation unerwartete Wendungen erzeugt.
Lohnt sich das Spiel?
Across the Grooves richtet sich an Spielerinnen, die entscheidungsbasierte Visual Novels und Geschichten schätzen, die mehrere Durchläufe belohnen. Der Schwerpunkt auf Persönlichkeitsentwicklung und parallelen Realitäten bietet eine fokussierte Variante des Zeitreise-Themas, ohne Kampf oder komplexe Systeme.
Die Rezeption hebt die handgezeichnete Grafik, den stimmigen Ton und die unterstützende Rolle der Musik hervor. Kritikerinnen loben die Länge pro Durchlauf und das Gefühl, durch gezielte Entscheidungen unterschiedliche Enden zu entdecken. Wer schnelle Action oder fortlaufende Inhaltsupdates sucht, wird das Spiel eher begrenzt finden - es handelt sich um ein abgeschlossenes, in sich ruhendes Werk aus dem Jahr 2020 ohne weitere Staffeln oder Erweiterungen.
Das Spiel spricht vor allem ein Publikum an, das europäische Comic-Ästhetik, reflektierendes Erzählen und die Mechanik von Konsequenzen in einem linearen, aber verzweigten Format schätzt. Seine Stärke liegt darin, aus einer überschaubaren Zahl an Entscheidungen vielfältige Ergebnisse zu erzeugen, statt auf offene Welten zu setzen.