Bohemian Killing ist ein narratives Singleplayer-Indie-Adventure, das sich um Entscheidungen im Gerichtssaal dreht. Spieler übernehmen die Rolle von Alfred Ethon, einem jungen Erfinder, der im Paris des späten 19. Jahrhunderts vor Gericht steht - inmitten von Klassenspannungen und gesellschaftlichen Vorurteilen. Die Handlung entfaltet sich durch Zeugenaussagen, Beweisprüfung und Rückblenden, deren Entscheidungen das Prozessergebnis direkt beeinflussen.
Gameplay
Das Spiel kombiniert Gerichtsverhandlungen mit Erkundung aus der Egoperspektive in den Pariser Stadtvierteln. Jede Richterfrage führt zurück zu den Ereignissen rund um den Mord und lässt Spieler Alfreds Version der Geschichte durch Handlungen, Gespräche und Interaktionen formen. Diese Entscheidungen verändern die Aussagen und beeinflussen, wie das Gericht die Verteidigung bewertet.
Ein Beweismenü ordnet Zeugenaussagen, forensische Berichte und physische Gegenstände in Kategorien, um sie schnell abrufen zu können. Spieler können Aussagen anfechten, indem sie Widersprüche, alternative Erklärungen oder ergänzende Details aus den Akten einbringen. So lässt sich etwa die Beobachtung blutiger Kleidung durch einen Nachbarn mit einem früheren Vorfall erklären, der die Flecken ohne Belastung des Angeklagten begründet.
Die Erkundung erfolgt im Stil eines Walking Simulators: Bewegungen durch die Umgebungen offenbaren Möglichkeiten, Elemente der Geschichte zu sammeln oder zu konstruieren. Entscheidungen haben logische Konsequenzen, die das Spiel über mehrere Durchgänge hinweg verfolgt und zu unterschiedlichen Ausgängen führt - ohne eine Variante als richtig oder falsch zu kennzeichnen.
Spielmodi
Im Standardmodus liegt die gesamte Verantwortung für eine schlüssige Verteidigung bei den Spielern. Die Ergebnisse spiegeln die Konsistenz und Kreativität der Entscheidungen in Aussagen und Rückblenden wider, ohne unterstützende Hinweise bei Fehlentscheidungen.
Der Story-Modus ergänzt beratende Kommentare einer Anwaltsfigur. Diese Hinweise machen auf mögliche Risiken bestimmter Handlungen oder Aussagen aufmerksam und lenken Spieler zu sichereren Strategien, ohne die kreative Freiheit einzuschränken. Der Modus eignet sich für Einsteiger oder für Spieler, die eine stärker geführte Erzählung bevorzugen.
Handlung und Setting
Die Geschichte spielt in der Zeit nach der Französischen Revolution und zeigt eine Gesellschaft im Übergang zwischen alten aristokratischen Strukturen und neuen industriellen Möglichkeiten. Alfred Ethon, der aus einer Roma-Familie stammt, steht für sozialen Aufstieg durch Erfindungen - doch sein Hintergrund weckt Misstrauen in einem brutalen Mordfall, bei dem eine Magd aus einem verarmten Adelsgeschlecht ums Leben kam.
Rückblenden führen in bestimmte Viertel des steampunk-inspirierten Paris, wo Interaktionen mit Bewohnern und Objekten in die Verteidigungsstrategie einfließen. Die doppelte Zeitebene lenkt den Fokus darauf, wie vergangene Ereignisse für den aktuellen Prozess umgedeutet werden - mit dem Schwerpunkt auf Intellekt statt direkter Konfrontation.
Lohnt sich das Spiel?
Die Resonanz der Spieler fällt gemischt aus: Auf Steam liegen die Bewertungen bei 59 Prozent positiv von 111 Einträgen. Viele loben die flexible Gestaltung der Aussagen und die Verbindung von Handlung und Mechanik, während andere technische Probleme wie häufige Ladebildschirme und gelegentliche Skriptinkonsistenzen bemängeln, die die Immersion stören.
Das Spiel richtet sich an Spieler, die logisches Problemlösen und verzweigte Erzählungen in einem historischen Kontext schätzen - ohne Action oder Kampf. Der Singleplayer-Fokus und die Betonung kreativer Verteidigungsstrategien machen es attraktiv für alle, die unterschiedliche Ansätze über mehrere Sitzungen ausprobieren möchten. Die Verfügbarkeit auf dem PC unterstützt diesen Spielstil ohne zusätzliche Anforderungen an Online-Funktionen oder saisonale Inhalte.
Wer eine kompakte Erfahrung mit Wiederspielwert durch unterschiedliche Enden sucht, wird die Struktur belohnend finden - vorausgesetzt, man akzeptiert die in den Rezensionen erwähnten Einschränkungen hinsichtlich Weltgröße und technischer Ausarbeitung. Die Synchronisation von Stéphane Cornicard verleiht der Hauptfigur in entscheidenden Momenten zusätzliche Präsenz.