Closer the Distance ist ein Indie-Simulationsspiel, das Alltagsmechaniken mit einer entscheidungsbasierten Erzählung verbindet. Spieler übernehmen die Rolle von Angela, einer jungen Bewohnerin der Kleinstadt Yesterby, die ihre Familie und Nachbarn nach einem tödlichen Autounfall beobachtet und behutsam beeinflusst. Das Spiel erscheint als Einzelspielertitel für den PC und legt den Schwerpunkt auf emotionale Bindungen, gegenseitige Unterstützung und persönliche Entscheidungen statt auf Action oder Wettbewerb.
Gameplay
Im Mittelpunkt steht ein Wechselspiel aus Zeitmanagement und Beziehungsaufbau. Ein Tag-Nacht-Zyklus läuft auf einer 24-Stunden-Uhr, die sich in 15-Minuten-Schritten fortbewegt und damit festlegt, wann bestimmte Aufgaben oder Gespräche möglich sind. Spieler wählen Charaktere aus, die sie direkt steuern - beginnend mit Angelas jüngerer Schwester - und schalten nach und nach weiteren Einfluss auf weitere Bewohner wie den ortsansässigen Arzt frei. Jede Figur besitzt eigene Bedürfnisse, die in einer Seitenleiste angezeigt werden. Werden diese vernachlässigt, übermannen die Charaktere ihre Gefühle, wodurch Aktivitäten auf der Karte ausgegraut und Optionen eingeschränkt werden.
Interaktionen erfolgen per Point-and-Click. Ein Klick auf einen anderen Bewohner öffnet Dialogoptionen oder einfache Handlungen wie das Erledigen von Hausarbeiten oder das Anbieten von Trost. Diese Entscheidungen formen die Beziehungen und öffnen oder schließen damit Handlungsstränge. Das System fordert eine sorgfältige Planung über mehrere Charaktere hinweg, deren Leben sich gleichzeitig auf derselben Zeitachse entwickeln. Vierzehn Figuren verfügen über eigenständige Geschichten, die sich überschneiden und Spieler belohnen, die das Spiel erneut starten, um alternative Wege und verpasste Ereignisse zu entdecken.
Die Grafik nutzt eine stilisierte Third-Person-Perspektive mit isometrischer oder erhöhter Ansicht während der Erkundung. Der Fokus liegt auf alltäglichen Momenten wie häuslichen Routinen oder ruhigen Gesprächen statt auf aufwendigen Inszenierungen. Voice-Acting und eine gitarrenbasierte Soundtrack unterstützen den bodenständigen Ton, ohne die Simulations-Elemente zu überlagern.
Spielmodi
Closer the Distance bietet ein einziges, durchgehendes Erzählerlebnis ohne separate Multiplayer- oder Wettbewerbsmodi. Die Hauptstruktur ist eine Story-Kampagne, in der Entscheidungen bestimmen, wie sich Trauer, Freundschaften und Gemeinschaftsbande im Laufe der Zeit entwickeln. Der Wiederspielwert ergibt sich aus den verzweigten Ausgängen und der Notwendigkeit, unterschiedliche Charaktere über mehrere Durchgänge hinweg zu betreuen, um alle Ereignisse in Yesterby zu erleben.
Der Fortschritt folgt einem questähnlichen Aufbau, der darauf abzielt, das Wohlbefinden der Charaktere zu erhalten und gleichzeitig ihre persönlichen Handlungsstränge voranzutreiben. Es gibt keine separaten Schwierigkeitsstufen oder optionale Nebenmodi; das gesamte Spiel bildet eine geschlossene Simulation, die zeitkritische Aufgaben mit emotionalen Entscheidungspunkten verknüpft. Wer die Hauptgeschichte abgeschlossen hat, kann zurückkehren, um andere Prioritäten oder Beziehungsschwerpunkte auszuprobieren und so zu unterschiedlichen Enden sowie zusätzlichem Kontext für Nebenfiguren zu gelangen.
Handlung und Themen
Im Zentrum der Erzählung stehen Verlust, Empathie und der langsame Weg zur Verarbeitung nach einer Tragödie. Angela nutzt eine ätherische Fähigkeit, um Menschen in ihrer Umgebung zu beeinflussen - doch ihre Handlungen haben nachhaltige Folgen für die Bewohner der Stadt. Themen wie familiäre Bindungen, Krankheit und gemeinsames Heilen entfalten sich organisch durch die täglichen Abläufe, die Spieler überwachen. Die Texte verzichten auf Melodramatik und verankern die Ereignisse stattdessen in realistischen Kleinstadt-Interaktionen sowie den praktischen Herausforderungen, trauernde Menschen zu unterstützen.
Es gibt Content-Warnings für Darstellungen von Tod, Krankheit und Trauer. Diese Elemente bilden das Fundament des Erlebnisses und sind nicht als optionaler Hintergrund gedacht.
Lohnt sich das Spiel?
Closer the Distance richtet sich an Spieler, die narrative Simulationen mit leichten Management-Elementen schätzen. Die Steuerung bleibt zugänglich, mit geringer Schwierigkeit und einem Fokus auf bedachtes Tempo statt komplexer Systeme. Kritiken loben vor allem die Stärke der Texte und der Voice-Performances, die den Charakterinteraktionen und den verzweigten Ausgängen Gewicht verleihen.
Wer schnelle Action oder umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten sucht, wird die Mechaniken bewusst zurückhaltend erleben, da sie der Geschichte dienen. Das Spiel unterstützt mehrere Durchgänge durch seine miteinander verknüpften Charakterbögen und die Konsequenzen von Entscheidungen, während der Kernloop gleich bleibt. Die Verfügbarkeit auf dem PC macht den Einstieg unkompliziert, und das abgeschlossene Einzelspieler-Paket bietet ein fokussiertes Erlebnis ohne laufende Season-Inhalte oder zusätzliche Modi.
Insgesamt spricht das Spiel vor allem Fans emotionaler Slice-of-Life-Geschichten an, die indirekte Einflussnahme und Beziehungsmanagement schätzen. Die überschaubaren Systeme gepaart mit bedeutsamen Entscheidungen schaffen eine persönliche Reise, die Aufmerksamkeit für Details und wiederholte Erkundung der Bewohner belohnt.