If Found... ist ein eigenständiges Indie-Visual-Novel, das persönliche Memoiren mit spekulativer Fiktion verbindet. Vor der Kulisse eines verfallenden Herrenhauses auf der irischen Achill Island begleitet man Kasio, die im Dezember 1993 nach Hause zurückkehrt und dort familiäre Spannungen, neue Freundschaften und innere Konflikte erlebt. Die Handlung steuert auf Silvester zu, als ein schwarzes Loch alles zu bedrohen scheint - und Fragen nach dessen Ursprung sowie einer möglichen Abwendung aufwirft. In diesem Einzelspieler-Titel taucht man in Kasios Tagebucheinträge ein, während parallel die Geschichte der Weltraumforscherin Doctor Cassiopeia erzählt wird, die sich derselben kosmischen Bedrohung gegenübersieht.
Gameplay
Im Zentrum steht eine Radier-Mechanik, mit der man per Maus oder Finger Text und Illustrationen vom Bildschirm entfernt. Jede Tagebuchseite oder Zeichnung enthüllt Bruchstücke von Kasios einmonatiger Reise: peinliche Schwärmereien, ein Punk-Konzert, Verwirrung und Glück, Begegnungen mit Jupiter, viele Küsse, ein süßer Hund und ein Einbruch. Das Tempo und die Reihenfolge des Radierens bestimmen, wie Szenen sich entfalten und übergehen. Die parallele Struktur wechselt zwischen Kasios Erlebnissen im ländlichen Irland und Cassiopeias Einsätzen im All und schafft thematische Verbindungen um Verlust, Erinnerung und Verbundenheit, ohne dass der Hauptverlauf verzweigt. Nur im Epilog gibt es wenige Entscheidungen, sodass der Fokus auf Reflexion statt auf Entscheidungsbäumen liegt.
Game Modes
Das Spiel ist ausschließlich als Einzelspieler-Visual-Novel konzipiert und bietet weder Multiplayer noch alternative Modi. Der Fortschritt verläuft linear durch die Tagebuchseiten und Science-Fiction-Kapitel und legt den Schwerpunkt auf sequentielle Erzählung statt auf Wiederspielbarkeit oder Wettbewerbselemente. Während der Radier-Sequenzen bestimmt man selbst das Tempo, doch die Gesamtstruktur bleibt fest, um die emotionale Wirkung der beiden Erzählstränge zu erhalten.
Story and Themes
Kasios Rückkehr in den Westen Irlands bringt sie in direkten Konflikt mit ihrer Familie, während sie neue Freundschaften schließt und persönliche Herausforderungen meistert. Diese Ereignisse gipfeln in der Silvesternacht 1993 unter der Bedrohung durch das schwarze Loch. Die parallel erzählte Cassiopeia-Handlung spiegelt diese Themen auf kosmischer Ebene und verknüpft die intimen Tagebucheinträge mit größeren Fragen von Zerstörung und Überleben. Der Monat entfaltet sich über konkrete Begebenheiten, die sowohl freudige als auch schmerzhafte Erinnerungen beleuchten - alles verbunden durch das Festhalten und anschließende Auflösen der Aufzeichnungen.
Visuals and Audio
Handgezeichnete Grafiken fangen die Atmosphäre Irlands in den 1990ern ebenso ein wie die karge Weite des Weltraums und unterstützen den Wechsel zwischen den beiden Handlungssträngen. Ein sorgfältig komponierter Soundtrack unterlegt die emotionalen Momente - von stillen häuslichen Szenen bis hin zu angespannten kosmischen Sequenzen. Die Präsentation verzichtet auf auffällige Effekte zugunsten intimer, seitenähnlicher Layouts, die das Tagebuch-Format unterstreichen.
Is It Worth Playing?
Dieses Spiel richtet sich an Spieler, die narrative Erlebnisse schätzen, die sich um Identität, Beziehungen und metaphorisches Erzählen drehen. Das Radier-System fügt eine haptische Ebene hinzu, die direkt mit den Themen Erinnerung und Akzeptanz verknüpft ist und jede Sitzung persönlich wirken lässt. Als abgeschlossene PC-Veröffentlichung aus dem Jahr 2020 erreicht es weiterhin ein Publikum, das kurze, fokussierte Indie-Geschichten ohne laufende Updates oder saisonale Inhalte sucht. Wer charakterzentrierte Erzählungen mit irischem Setting und emotionaler Tiefe mag, wird die Kombination aus Tagebuch-Mechanik und parallelen Handlungssträngen als lohnend empfinden. Wer Action oder offene Systeme bevorzugt, sollte sich andere Genres ansehen.