„Rettet uns, Doktor Faust!" ist ein Indie-RPG-Simulations-Adventure, das in einer mittelalterlichen Stadt unter Belagerung spielt. Man schlüpft in die Rolle eines Arztes, der Krankheiten diagnostiziert, Heilmittel aus Rohstoffen herstellt und unter knappen Ressourcen moralische Entscheidungen treffen muss. Im Mittelpunkt stehen eigenständiges Studium und Experimentieren statt vorgegebener Ziele oder sofortiger Lösungen.
Gameplay
Das Herzstück ist der Aufbau medizinischen Wissens in einem persönlichen Lehrbuch. Spieler lesen über Krankheiten, Symptome und Inhaltsstoffe und notieren Beobachtungen und Kombinationen direkt auf den Seiten. Dieses Wissen wird bei echten Patientenbegegnungen unverzichtbar: Gespräche liefern Hinweise, die manchmal irreführen, manchmal weiterhelfen. Anschließend folgt die körperliche Untersuchung, bei der sichtbare Anzeichen erkannt und mit dem Gelernten abgeglichen werden müssen - ohne jede automatische Unterstützung.
Die Zubereitung von Arzneien erfordert handwerkliches Arbeiten an mehreren Stationen. Rohstoffe werden im Mörser zerkleinert, eine Destille trennt Alkohol und Emulsionen, und eine Zentrifuge ermöglicht präzises Mischen per Handbetrieb. Jeder Schritt beeinflusst das Endprodukt; Fehler können schädliche statt heilende Wirkungen erzeugen. Ressourcenknappheit erhöht den Druck: Zutaten müssen gekauft, in einem begrenzten Garten angebaut oder über mehrere Patienten hinweg sorgfältig verteilt werden.
Die Folgen reichen über einzelne Behandlungen hinaus. Entscheidungen darüber, wer versorgt wird, beeinflussen die gesamte Stadt und können Machtverhältnisse im Krieg vor den Mauern verschieben. Finanz- und Materialplanung erzwingt Abwägungen - etwa ob ein zahlungskräftiger Adeliger oder ein mittelloses Kind Vorrang erhält oder ob Vorräte für künftige Fälle geschont werden.
Spielmodi
Das Spiel ist eine reine Einzelspieler-Simulation ohne separate Modi oder Mehrspieler-Elemente. Der Fortschritt ergibt sich aus wiederholten Patientenkontakten und Laborarbeit; die Ergebnisse hängen vom angesammelten Wissen und den getroffenen Ressourcenentscheidungen ab. Unterschiedliche Herangehensweisen entstehen organisch aus den eigenen Prioritäten - ob gründliches Studium vor jeder Behandlung, experimentelle Kombinationen im Labor oder finanzielle Absicherung der Praxis durch selektive Versorgung.
Stadtgeschehnisse reagieren mit der Zeit auf diese Muster. Konsequente Behandlung bestimmter Gruppen oder erfolgreiche Eindämmung von Seuchen kann lokale Verhältnisse und den übergreifenden Konflikt verändern. Ohne Questmarker oder Zielvorgaben bleibt jede Sitzung auf Beobachtung, Notizen und bewusstes Experimentieren ausgerichtet.
Ressourcenmanagement und Stadtauswirkungen
Knappheit prägt den Alltag. Spieler kaufen Vorräte, ziehen Heilpflanzen an, wo Platz ist, und entscheiden, welche Mittel den Aufwand rechtfertigen. Überbeanspruchung bei einem Fall kann später zu Engpässen führen, während Hortung hilfsbedürftige Einwohner unversorgt lässt. Diese Zwänge erzeugen anhaltende Spannung zwischen akutem Bedarf und langfristiger Tragfähigkeit der Praxis.
Die Handlungen der Spieler prägen das kollektive Gedächtnis der Stadt. Die Behandlung einflussreicher Personen oder die Eindämmung weit verbreiteter Krankheiten kann das Kriegsglück beeinflussen, während Vernachlässigung oder Fehlentscheidungen den Niedergang beschleunigen können. Die Simulation belohnt Weitsicht in medizinischer Vorbereitung und sozialen Entscheidungen, ohne explizites Feedback zu geben, bis die Folgen sichtbar werden.
Lohnt sich das Spiel?
„Rettet uns, Doktor Faust!" richtet sich an Spieler, die detaillierte Simulationsmechaniken rund um Diagnose, Herstellung und ethische Ressourcenverteilung in einem Einzelspieler-Setting schätzen. Der Fokus auf manuellen Abläufen und selbstständigem Lernen spricht alle an, die sich für medizinische Systeme und konsequenzgetriebene Erzählungen interessieren. Als noch unveröffentlichter Titel mit geplantem Release im Q4 2026 und ohne bisherige Rezensionen hängt sein Wert von der Bereitschaft ab, ein bewusstes Tempo und den Verzicht auf Hilfestellungen zu akzeptieren. Wer Indie-RPGs und Simulationen sucht, die Studium und Experimentieren belohnen, wird die beschriebenen Systeme als passend empfinden.