Belladonna ist ein unabhängig entwickeltes Point-and-Click-Adventure im Gothic-Stil für den PC. Spieler übernehmen die Rolle eines wiedererweckten Leichnams, der in einem verlassenen Labor erwacht und durch Erkundung und Interaktion mit der Umgebung die Umstände seines Todes und seiner Wiederbelebung rekonstruieren muss. Die Geschichte orientiert sich stark an literarischen Vorbildern wie Mary Shelleys Frankenstein und setzt auf längere Textpassagen, die gelesen werden müssen, um die Handlung voranzutreiben und Details über die beteiligten Figuren zu erfahren.
Gameplay
Im Mittelpunkt steht das klassische Point-and-Click-Prinzip: Objekte untersuchen, sich zwischen wenigen Schauplätzen bewegen und durch Dialoge oder Beschreibungstexte weiterkommen. Rätsel bleiben bewusst einfach und eng mit der Geschichte verknüpft, statt auf komplexe Logik oder Gegenstandskombinationen zu setzen. Ein großer Teil der Interaktion besteht darin, ausführliche Erzählpassagen zu lesen, die die Sichtweisen der untoten Figuren beleuchten und ihre Welt jenseits von Leben und Tod erkunden. Auf Action-Elemente oder zeitkritische Aufgaben wird verzichtet. Stattdessen entsteht Spannung durch die unheimliche Atmosphäre und die moralischen Grauzonen, die den Arzt, seine Frau und die Wiederbelebungsexperimente umgeben.
Die Steuerung folgt den üblichen Point-and-Click-Konventionen: Mit der Maus werden Hotspots ausgewählt und Gespräche fortgesetzt. Dank der kurzen Gesamtlänge kommt man ohne großes Hin-und-Her durch das Labor und die angrenzenden Bereiche. Themen wie Schuld, Heldentum und unterschiedliche moralische Vorstellungen tauchen in den Dialogen auf und laden dazu ein, die Glaubwürdigkeit von Lebenden und Toten zu hinterfragen.
Spielmodi
Belladonna ist ausschließlich als Einzelspielererlebnis konzipiert und bietet weder Mehrspieler-Optionen noch alternative Modi. Die Struktur ist linear und führt ohne Verzweigungen, Schwierigkeitsstufen oder separate Szenarien durch die zentrale Geschichte. Der gesamte Inhalt spielt sich in einer durchgehenden Erzählsequenz ab, die Erkundung mit textlastigen Enthüllungen verbindet.
Handlung und Atmosphäre
Die Handlung setzt nach einer familiären Tragödie ein: Die Besessenheit eines Arztes, den Tod zu überwinden, stürzt seine Frau in Verzweiflung und führt zur Auferweckung der Toten. Spieler erleben die Welt aus der Perspektive des wiedererweckten Mädchens und stoßen auf Wendungen, die das Vertrauen in Lebende und Untote gleichermaßen infrage stellen. Der Gothic-Ton erzeugt eine unheilvolle Stimmung vor allem durch detaillierte Beschreibungen, nicht durch Jump Scares oder visuelle Horroreffekte. Dieses Konzept spricht Leser an, die ein langsameres Tempo und philosophische Untertöne klassischer Literatur schätzen und sich mehr für innere Konflikte und ethische Fragen als für äußere Bedrohungen interessieren.
Lohnt sich das Spiel?
Belladonna richtet sich an Spieler, die ein kurzes, erzählungsgetriebenes Point-and-Click-Adventure suchen, bei dem Lesen und atmosphärisches Storytelling im Vordergrund stehen. Die überschaubare Spielzeit lässt sich in wenigen konzentrierten Sitzungen abschließen und macht das Spiel für alle interessant, die sich mit Gothic-Themen und moralischen Fragestellungen beschäftigen möchten, ohne viel Zeit investieren zu müssen. Kritiken aus der Veröffentlichungszeit loben die gelungene narrative Umsetzung und den wirkungsvollen Einsatz von Text zur Erzeugung von Unbehagen, bemängeln jedoch teilweise die Einfachheit der Rätsel. Das Spiel ist weiterhin in seiner ursprünglichen Form für den PC erhältlich und eignet sich besonders für Fans literarisch-introspektiver Indie-Adventures.