Book of Hours ist ein Indie-Rollenspiel mit Simulations-Elementen, in dem man als Bibliothekar eine verfallene okkulte Bibliothek namens Hush House wiederaufbaut. In einer von verborgenen Geschichten und esoterischem Wissen geprägten Welt der 1930er-Jahre liegt der Fokus auf ruhiger Reflexion und sorgfältigem Management statt auf Action oder Konflikten. Spielerinnen und Spieler erweitern die Sammlung aus Büchern und Artefakten, während sie die Vergangenheit des Ortes entschlüsseln und durch bewusste Entscheidungen ihre eigene Geschichte gestalten.
Gameplay
Im Zentrum steht die Erkundung des weitläufigen, verfallenen Hush House und seiner Außenanlagen. Okkulte Bücher und Kuriositäten werden auf unterschiedlichen Wegen erworben und anschließend über ein Karten-basiertes System untersucht. Die Karten stehen für Fähigkeiten, Erinnerungen, Werkzeuge und Seelenaspekte, die in Verb-Slots platziert werden, um Handlungen wie das Betrachten von Objekten oder Gespräche mit anderen auszuführen.
Ein zentrales Element ist das Craften: Materialien werden kombiniert, um Tinten, Erinnerungen und weitere esoterische Gegenstände für tiefere Studien herzustellen. Neun Weisheiten bilden einen Fortschrittsbaum, den man durch das Studium von Büchern und das Freischalten von Verbindungen vorantreibt, während neun Seelenelemente entwickelt und ausbalanciert werden müssen, um neue Fähigkeiten zu erschließen. Besucherinnen und Besucher erscheinen mit eigenen Anliegen, und wer ihnen hilft, erhält Belohnungen, die das Wachstum der Bibliothek fördern.
Die Restaurierung umfasst das Öffnen neuer Räume, die Einrichtung von Bereichen und die schrittweise Instandsetzung des gewaltigen Gebäudes, das auf den Fundamenten einer alten Abtei errichtet wurde. Das Geschehen verläuft in einem ruhigen Tempo ohne Zeitdruck oder Kampf, sodass der Schwerpunkt auf Katalogisierung, Experimentieren und dem Freilegen der in Steinen und Texten verborgenen Geschichte liegt.
Spielmodi
Book of Hours ist ein Einzelspieler-Erlebnis mit einer durchgehenden Kampagne, die je nach Erkundungstiefe 20 bis 40 Stunden oder bis zu 100 Stunden dauern kann. Die Wiederspielbarkeit ergibt sich aus neun unterschiedlichen Legacies, die den Hintergrund und die Startbedingungen der Spielenden bestimmen. Jede Legacy verändert die Ausgangssituation und die verfügbaren Möglichkeiten - etwa der Magnate, der sich vom Reichtum abwendet, um Stille zu suchen, oder die Archäologin, die einem bei Ausgrabungen entdeckten Fluch entkommt. Weitere esoterische Optionen wie die Symurgistin und die Twiceborn eröffnen jeweils eigene Wege durch Erzählung und Mechaniken.
Diese Startentscheidungen beeinflussen, wie sich die Geschichte innerhalb der Bibliothek und darüber hinaus entwickelt, und laden zu mehreren Durchgängen ein, um unterschiedliche Geschichten und Ausgänge zu erleben. Separate kompetitive oder kooperative Modi gibt es nicht; der Fokus liegt auf persönlicher Entdeckung und schrittweisem Fortschritt durch die okkulten Systeme.
Setting und Erzählung
Hush House war über fünfzehn Jahrhunderte hinweg eine Festung des Wissens, bis ein verheerender Brand die Sammlung zerstörte und die letzte Bibliothekarin verschwand. Als neueste Bibliothekarin übernimmt man diese Einsamkeit und nutzt besondere Talente, um Bücher neu zu ordnen, Wohnräume individuell zu gestalten und Jahrhunderte okkulter Überlieferung zu enthüllen. Entscheidungen wirken nach außen und beeinflussen, wie Ereignisse festgehalten und wie Besucherinnen und Besucher ihre Ziele verfolgen.
Die Welt basiert auf geheimen Geschichten, die von einem Pantheon der Hours bestimmt werden und sich allmählich durch Studium und Interaktion erschließen. Dieses Gerüst trägt einen melancholischen Ton, in dem ruhige Betrachtung und sorgfältige Kuratierung das Erlebnis vorantreiben.
Lohnt es sich?
Book of Hours richtet sich an Spielerinnen und Spieler, die dichte, komplexe Einzelspieler-Systeme schätzen und die Freude daran finden, mit der Zeit undurchsichtige Mechaniken zu meistern. Das kampffreie Design sowie der Fokus auf Craften, Restaurierung und verzweigter Erzählung erzeugen einen eigenen Rhythmus, der Geduld und Notizen belohnt. Rezensionen heben die elegante Verbindung von Thema und Gameplay, die Tiefe der ineinandergreifenden Systeme sowie die hochwertige Kunst und Prosa hervor, die die okkulte Atmosphäre unterstreichen.
Einige Spielerinnen und Spieler erwähnen die anfängliche Lernkurve und die Herausforderung, in längeren Sitzungen viele Elemente im Blick zu behalten. Die verzeihende Natur der Entscheidungen und das Fehlen dauerhafter Rückschläge ermöglichen jedoch stetigen Fortschritt. Das Spiel wird weiterhin aktiv unterstützt und erhält Erweiterungen, die den Geschichten der Besucherinnen und Besucher zusätzliche Tiefe verleihen. Wer sich für durchdachte Indie-Rollenspiele mit Simulations-Elementen interessiert, die persönliche Geschichte und Bibliotheksmanagement in den Mittelpunkt stellen, findet hier einen hohen Wert in dem ruhigen Tempo und dem Wiederspielpotenzial durch das Legacy-System.