The Wanderer: Frankenstein's Creature ist ein point-and-click-Adventure, das Spieler in die Rolle der Kreatur aus Mary Shelleys Roman schlüpfen lässt. Das 2019 für den PC erschienene Indie-Spiel erzählt die Geschichte aus der Perspektive eines künstlichen Wesens ohne Erinnerung und moralische Orientierung. Die Erkundung stilisierten europäischer Landschaften steht im Mittelpunkt, wobei Entscheidungen Beziehungen und das eigene Selbstverständnis beeinflussen, statt auf Kämpfe oder Ressourcenmanagement zu setzen.
Gameplay
Die Handlung spielt sich in handgemalten Szenerien ab, die an die Ästhetik des 19. Jahrhunderts erinnern. Per Mausklick bewegt man sich durch die Umgebung, deckt neue Bereiche auf und löst Dialoge oder Veränderungen in der Welt aus. Je nach emotionaler Entwicklung der Kreatur verändern sich Aussehen und Stimmung der Landschaften, was die innere Verfassung visuell widerspiegelt, ohne separate Menüs oder Statuswerte.
Begegnungen mit menschlichen Figuren eröffnen Entscheidungsmomente, die den weiteren Verlauf bestimmen. Diese Szenen setzen auf Beobachtung und Konsequenz statt auf Zeitdruck. Die Klavier- und Orchesterklänge passen sich dem Erzählrhythmus an und unterstreichen Momente der Entdeckung und Reflexion. Rätsel treten nur vereinzelt auf und sind meist an Erinnerungsszenen oder rhythmische Muster gebunden.
Game Modes
Im Zentrum steht eine durchgehende Erzählung, die sich quer durch Europa erstreckt. Spielerentscheidungen eröffnen alternative Handlungsstränge und führen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen über Herkunft und Dasein der Kreatur. Es gibt keine separaten Mehrspieler- oder Wettkampfmodi; der Fortschritt folgt der linearen Struktur der Geschichte, erlaubt aber durch alternative Entscheidungen mehrere Durchgänge.
Innerhalb jedes gemalten Kapitels bleibt die Erkundung offen, sodass Orte nach emotionalen Veränderungen erneut besucht werden können. Die Struktur unterstützt mehrere Spielrunden, die sich auf unterschiedliche moralische Ausrichtungen oder Neugiergrade gegenüber der Vergangenheit konzentrieren.
Story and Atmosphere
Die Handlung begleitet die Kreatur von ihrem Erwachen bis zu ihren Reisen und den Begegnungen mit Menschen, die auf ihr Äußeres reagieren und ihre Existenz hinterfragen. Themen wie Identität, Zugehörigkeit und die Last des Erschaffens bestimmen den Verlauf, ohne auf Horror-Klischees anderer Frankenstein-Adaptionen zurückzugreifen. Die Grafik basiert auf 18 verschiedenen Gemälden und bewahrt eine einheitliche künstlerische Identität, die die Grenze zwischen Spielwelt und klassischer Illustration verwischt.
Emotionale Entwicklungen wirken sich direkt auf die Darstellung der Orte aus: Aus friedlichen Landschaften werden je nach vorherigen Interaktionen düsterere oder lebendigere Szenen. Dieses System verdeutlicht die zentrale Idee, dass Erfahrungen die Wahrnehmung prägen - sowohl für die Figur als auch für den Spieler.
Is It Worth Playing?
Die PC-Version erhielt von Hunderten von Nutzern eine Zustimmungsrate von 84 Prozent. Viele Rezensenten loben die beeindruckende Bildsprache, den stimmigen Soundtrack und den respektvollen Umgang mit der literarischen Vorlage. Das Spiel richtet sich an Spieler, die eine kurze, nachdenkliche Einzelspieler-Erfahrung suchen, statt Action oder komplexe Systeme.
Durch den Fokus auf entscheidungsbasierte Erzählung und sich wandelnde Visuals eignet es sich besonders für Fans narrativer Adventures. Wer schnelle Mechaniken oder Mehrspieler-Elemente bevorzugt, könnte das ruhige Tempo als weniger ansprechend empfinden. Das Spiel ist zu einem moderaten Preis erhältlich und erfordert keine laufenden Updates oder saisonalen Inhalte über den ursprünglichen Release-Zustand hinaus.