Her Story ist ein Adventure von Sam Barlow, das Spieler vor eine simulierte Polizeidatenbank aus den 1990er Jahren setzt, gefüllt mit Live-Action-Videos. Im Mittelpunkt stehen sieben Vernehmungen aus dem Jahr 1994 mit der Britin Hannah Smith, deren Ehemann verschwunden ist. Über Stichwortsuchen in den transkribierten Dialogen erschließen sich kurze Videosequenzen, die man in beliebiger Reihenfolge zu einem Gesamtbild zusammensetzen muss.
Gameplay
Im Kern geht es darum, Suchbegriffe in die Datenbank einzugeben und passende Clips abzurufen. Jede Sequenz zeigt Hannah, wie sie auf Fragen außerhalb des Bildes antwortet. Spieler müssen Zusammenhänge erkennen und Verbindungen zwischen den Aufnahmen herstellen. Insgesamt gibt es 271 Clips, deren Sichtstatus über eine visuelle Übersicht nachverfolgt wird. Zusätzlich lassen sich eigene Tags vergeben, die dann ebenfalls als Suchbegriffe dienen. Als optionale Ablenkung steht das einfache Strategiespiel Mirror Game zur Verfügung, das an Reversi angelehnt ist.
Die Steuerung beschränkt sich weitgehend auf die Tastatur für Suchanfragen, während die Maus hauptsächlich zum Auswählen und Wiederabspielen von Clips genutzt wird. Durch die nichtlineare Struktur ergibt sich das vollständige Bild erst nach mehreren Suchläufen, die immer wieder neue Details zu Beziehungen, Ereignissen und Motiven offenbaren. Eine Sitzung dauert in der Regel nur wenige Stunden, da man die Anfragen mit neuen Begriffen aus den bereits gesehenen Aufnahmen verfeinern kann.
Spielmodi
Her Story bietet eine einzige durchgehende Geschichte ohne separate Modi oder verzweigte Handlungsstränge. Sämtliche Inhalte laufen über dieselbe Datenbankoberfläche und die gleichen 271 Clips, unabhängig von der Reihenfolge der Suchen. Der Reiz liegt darin, durch unterschiedliche Suchstrategien neue Zusammenhänge zu entdecken. Es gibt weder Mehrspieler-Optionen noch zusätzliche Szenarien.
Handlung und Präsentation
Die gesamte visuelle und akustische Ebene stammt von Viva Seifert, die in den Interviews natürliche Sprachmuster und emotionale Nuancen vermittelt. Das Desktop-Design der 1990er Jahre mit zeittypischen Datei-Explorern und Textdokumenten gibt unaufdringliche Hinweise auf die Mechanik, ohne die Immersion zu stören. Der Sound bleibt zurückhaltend und konzentriert sich auf die Interview-Töne sowie minimale Interface-Geräusche.
Thematisch geht es um Identität, Erinnerung und Wahrheit, die sich aus Hannahs widersprüchlichen Aussagen ergeben. Spieler rekonstruieren Zeitverläufe und Widersprüche in ihrem eigenen Tempo - eine Erfahrung, die sich vor allem an Fans von deduktivem Detektivspiel und interaktiven Erzählungen richtet.
Lohnt sich das Spiel?
Her Story spricht vor allem Spieler an, die narrative Abenteuer und interaktives Storytelling schätzen. Die ungewöhnliche Datenbank-Suche liefert ein fokussiertes Mystery-Erlebnis, das Neugier und genaues Hinsehen belohnt. Technisch läuft das Spiel problemlos auf aktuellen PCs, ohne dass Updates nötig wären - der Inhalt ist seit der Erstveröffentlichung unverändert. Wer klassische Action oder kompetitive Elemente sucht, wird hier kaum fündig. Fans von FMV-Spielen und nichtlinearen Geschichten hingegen heben häufig die Originalität als besonderes Merkmal hervor. Verfügbar für PC, ist Her Story für alle zugänglich, die eine Tastatur und Interesse an kurzen, nachdenklichen Sessions mitbringen.